Fast jede Familie in meiner Heimat hat ein altes überliefertes Familienrezept für die Zubereitung der Neujahrskuchen. Ich will hier unser Hausrezept verraten, nach dem ich heute immer noch backe (Foto: Theesfeld / pixelio.de):

Neujahrskuchen frisch aus dem Eisen
Neujahrskuchen nach dem Familienrezept Plaisier
Zutaten für etwa 270 Neujahrskuchen
1kg Weizenmehl der Güte 405
700g weißer Kandis
750g Butter (keine Ersatzstoffe wie Margarine!)
6 Eier der Klasse A oder 4 Eier der Klasse S
½ Liter Mineralwasser medium
An Gewürzen werden benötigt:
Lebkuchengewürz, Kardamom gemahlen, Orangenschale gemahlen oder Abrieb, Sternanis gemahlen, Pomeranzenschale gemahlen oder Abrieb, Zitronenschale gemahlen oder Abrieb, außerdem Zimt, Salz und echter Imkerhonig (vorzugsweise Blütentracht, keine streng schmeckenden Sorten).
Das Mehl kann auch als Mischung zusammengestellt werden, etwa aus der Hälfte Weizenmehl und je ¼ Vollkornmehl und Buchweizenmehl.
Die Behandlung und die Zubereitung des Teiges
Mit der Zubereitung des Teiges sollte möglichst am späten Nachmittag des Vortages begonnen werden. Der fertige Teig braucht eine Nacht Zeit, um sich in aller Ruhe entwickeln zu können. So entfalten die Gewürze ihre orientalische Herrlichkeit.
Am Backtag sollte der Teig dann noch nachbereitet werden. Aus dem backfähigen Waffelteig vom Vortag ist jetzt eine zähflüssige Masse geworden. Diese muss durch Zugabe von Flüssigkeit verdünnt werden. Bei der anschließenden Löffelprobe sollte der Teig von einem Holzlöffel als dichte, aber doch zügig fließende Masse ablaufen. Zum Verdünnen eignen sich Mineralwasser oder haltbare Milch, wobei der Fettgehalt keine Rolle spielt. Doch Vorsicht: Nur langsam immer wieder etwas Flüssigkeit zu dem Teig geben, dann verrühren und eventuell noch einmal nachgießen. Bei Bedarf kann der Teig auch während des Backens, wenn nach nachdickt oder sich unten in der Schüssel absetzt, verdünnt werden.
Vor dem Mixen sollten alle benötigten Zutaten auf dem Tisch bereitgestellt werden. Zum Verrühren eignet sich am besten eine Rührschüssel. Als Rührutensil sollte man eine kleine Rührmaschine verwenden, wobei man die Knethaken vorsichtig durch den Teig führen kann. Zum Nachrühren empfiehlt sich der Holzlöffel, mit dem bereits die Löffelprobe durchgeführt wurde.
Zuerst wird der Kandis in einen kleinen Topf geschüttet, dann die Flüssigkeit zugegeben. Dies wird bei mittlerer Hitze zum leichten Kochen gebracht, dabei gelegentlich mit dem Holzlöffel umrühren. Der Kandis muss sich vollständig auflösen.
Zur gleichen Zeit gibt man die Butter in einen Topf und stellt sie auf eine vorgeheizte Herdplatte. Die Butter muss langsam bei mäßiger Hitze schmelzen und einen dünnflüssigen Zustand erreichen.
Sind Kandis und Butter flüssig geworden, stellt man sie in ein kaltes Wasserbad und lässt sie abkühlen.
Das Mehl bis auf einen kleinen Rest von etwa 50g in die Rührschüssel geben und nun die Zutaten der Reihe nach zufügen. Zunächst werden die Eier einzeln aufgeschlagen und zur Kontrolle auf Frische in eine Tasse gegeben. Eventuell den Hahnentritt entfernen, danach Ei für Ei auf das Mehl geben. Von den Gewürzen werden benötigt: Lebkuchengewürz, Kardamom, Sternanis und Zimt (je 1 gehäufter Teelöffel), Orangenschale, Pomeranzenschale und Zitronenschale (je 2 gehäufte Teelöffel), ferner 1 – 2 Teelöffel Salz und 3 Esslöffel Honig. Mit dem Abschmecken unbedingt bis zum nächsten Tag warten!
Der Backvorgang
Zum Backen wird ein spezielles Hörncheneisen verwendet. Es wird an beiden Innenseiten leicht mit Butter eingefettet. Vorteilhaft ist das Abreiben der beiden mit dem Backmuster versehenen Seiten mit leicht gefettetem Küchenpapier.
Der Teig wird auf einen Esslöffel gegeben, wobei der Löffel nur zur Hälfte gefüllt wird. Dann den Teig auf die untere Fläche des Eisens gleiten lassen. Den Backvorgang durch Schließen der Vorrichtung einleiten, so dass beide Hälften des Hörncheneisens aufeinander liegen und bei neueren Modellen die rote Kontrolllampe aufleuchtet. Wichtig ist es, den gewünschten Bräunungsgrad auf der Oberseite des Eisens einzustellen. Vorsicht: Dunkelbraune Neujahrskuchen sind schnell produziert, haben aber einen sehr strengen Geschmack. Mein Tipp: Den Geräteknopf drehen, bis die Zahl 1 genau auf den unten eingelassenen Pfeil zeigt. Ich belasse es sogar noch einige Millimeter vor dem Bräunungsgrad 1.
Wenn die rote Kontrolllampe erlischt, ist der Backvorgang beendet. Nun schnell die Oberseite des Eisens hochklappen, den dünnen Kuchen mit einem Messer vom Rand hochnehmen und auf ein Frühstücksbrettchen legen. Und jetzt heißt es schnell zu arbeiten, schließlich soll ja aus dem flachen Kuchen eine Art Eiswaffel entstehen. Dazu drehen Daumen und Zeigefinger der Gebrauchshand den Kuchen zu einer Spitze, während die andere Hand die Waffelform modelliert. In weniger als 15 Sekunden ist der Kuchen zu einer festen Platte geworden und lässt sich dann nicht mehr zu der Hörnchenform verarbeiten. Es sind also schnelle Finger gefragt. Natürlich schmecken die Neujahrskuchen auch als flache Scheibe, aber formvollendet machen sie einen fachmännischen Eindruck und Sie erhalten das Lob der Gäste.
Die fertig gedrehten Neujahrskuchen werden dann auf einem Tablett ausgebreitet und sollten zwei bis drei Stunden auskühlen. Dann vorsichtig in eine luftdicht schließende Blechdose füllen. Vorsicht, Bruchgefahr! In diesem Behältnis bleiben die Ostfriesischen Neujahrskuchen über viele Monate kross und knackig.
Guten Appetit!
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